Vorkenntnisse nicht erforderlich: Videoanrufe für Senioren

Videoanrufe für Senioren

Der Kontakt zu Kindern und Enkeln, die weiter entfernt wohnen, kann über den Bildschirm sehr lebendig sein. Für viele ältere Menschen scheitert genau das an der Technik: Ein Videoanruf verlangt die richtige App, das richtige Antippen, mitunter ein Passwort, und schon bleibt die Verbindung aus, obwohl der Wunsch da wäre. Für diese Hürde gibt es inzwischen Geräte, die den Videoanruf auf eine einzige Geste reduzieren, nämlich das Auflegen einer Karte.

So funktionieren die Videoanrufe für Senioren

Das Prinzip ist bei beiden verbreiteten Systemen gleich: Jede Person, die angerufen werden soll, bekommt eine eigene Karte, meist mit Namen und Bild. Legt die nutzende Person diese Karte auf ein kleines Lesegerät, startet der Videoanruf von selbst, ohne Tippen, ohne Wischen, ohne Suchen. Unterschiedlich ist das Gerät dahinter. Beim System enna läuft alles über ein vorkonfiguriertes Tablet mit Dock, das dauerhaft bereitsteht. Bei family.cards dient der vorhandene Fernseher als Bildschirm: Eine kleine Box wird einmal per HDMI angeschlossen, ein Smart-TV ist dafür nicht nötig, und beim Auflegen einer Karte schaltet sich der Fernseher automatisch ein und auf den richtigen Kanal. Eingerichtet und mit Kontakten bestückt werden beide Systeme von Angehörigen über eine App auf deren eigenem Smartphone. Dort bestellt die Familie auch weitere Karten, etwa für Fotos, Musik oder Hörbücher. Eine Internetverbindung über WLAN oder eine SIM-Karte ist Voraussetzung.

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Die kleinen Nachteile kartenbasierter Videoanrufe

So charmant die Einfachheit ist, sie hat einen Preis, im Wortsinn und darüber hinaus. Beide Systeme brauchen laufendes Internet und in der Regel ein monatliches Abo, sind also keine einmalige Anschaffung. Die nutzende Person kann zudem ausschließlich die Menschen erreichen, für die eine Karte eingerichtet wurde. Wer eine neue Nummer hinzufügen oder etwas ändern möchte, ist auf die Angehörigen angewiesen, die das über die App erledigen. Das nimmt viel Technik ab, macht aber auch abhängig. Hinzu kommt die Frage der Kontrolle über die eigene Erreichbarkeit: Ein eingehender Anruf erscheint teils automatisch und groß auf dem Bildschirm, was praktisch ist, für manche aber auch bedeuten kann, plötzlich und ungefragt im Bild zu sein. Und schließlich ersetzt auch dieses Gerät keinen Notruf. Ein Videoanruf setzt voraus, dass am anderen Ende jemand abnimmt, und er hilft nach einem Sturz nicht weiter. Der Anbieter enna bietet inzwischen zwar einen Hausnotruf als Zusatzmodul an, doch das ist eine gesonderte Funktion mit Notrufknopf, nicht die Videokarte selbst.

Was sich im Alltag ändert

Gelingt die Einrichtung, verliert der Kontakt seine technische Hürde. Statt sich durch Menüs zu arbeiten, greift die nutzende Person zur Karte mit dem vertrauten Namen und sieht kurz darauf das Gesicht der Tochter oder der Enkel. Für Menschen, die mit Smartphone und Tablet nie warm geworden sind, kann das den Unterschied zwischen seltenem und regelmäßigem Austausch ausmachen. Ein Gesicht zu sehen sagt oft mehr als ein Telefonat, gerade wenn man einschätzen möchte, wie es dem anderen wirklich geht. Der Kreis der erreichbaren Personen bleibt zwar klein und fest, doch er umfasst die, auf die es ankommt. Wer den Fernseher ohnehin täglich nutzt, für den fügt sich die TV-Variante fast unbemerkt in Gewohntes ein.

Eine Lösung von mehreren

Kartenbasierte Videoanrufe sind eine von mehreren Möglichkeiten, den Bildkontakt zur Familie zu halten, und sie lohnen sich vor allem dann, wenn jede andere Bedienung ausscheidet. Wer mit einem Tablet oder Smartphone grundsätzlich zurechtkommt, braucht diese Systeme nicht: Eine gängige Videotelefonie-App, bei Bedarf über einen Launcher mit großen Kacheln vereinfacht, leistet dasselbe ohne zusätzliche Hardware und ohne eigenes Abo. Wer einen Smart-TV besitzt und dessen Fernbedienung beherrscht, findet dort teils bereits Apps für Videoanrufe. Kommt es umgekehrt gar nicht auf das Bild an, sondern nur auf die Stimme, sind ein Einfach-Handy oder ein Großtastentelefon deutlich günstiger und einfacher. Und geht es in erster Linie um Sicherheit im Ernstfall, führt am Hausnotruf kein Weg vorbei, unabhängig von jeder Videolösung. Welcher Weg passt, hängt davon ab, wie viel die Person selbst bedienen kann, ob ein Fernseher oder ein Tablet die bessere Bühne ist und wer in der Familie die Einrichtung und Betreuung übernimmt.

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QUELLE:

Videotelefonie für Senioren

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