WLAN-fähiger Türschlossantrieb: Die Wohnungstür per App vom Sessel aus öffnen

Türschlossantrieb mit App-Steuerung WLAN WiFi Nuki

Mit den Jahren wird der Weg zur Wohnungstür für manche Menschen mühsam. Eingeschränkte Beweglichkeit in Hüfte oder Knie, ein Rollator, Schmerzen nach einer Operation oder eine Wohnung mit langem Flur machen jedes Klingeln zu einem kleinen Vorgang: aufstehen, Gehhilfe greifen, zur Tür gehen, am Schlüssel drehen, öffnen. Wer dann mehrfach am Tag besucht wird, etwa vom Pflegedienst, vom Essen auf Rädern, von der Physiotherapie oder einfach von Angehörigen, merkt diese Wege deutlich. Ein elektrischer Türschlossantrieb mit WLAN übernimmt das Drehen des Schlüssels und lässt sich per App von jedem Platz in der Wohnung aus auslösen, ohne zur Tür gehen zu müssen.

Wie ein WLAN-Türschlossantrieb funktioniert

Das Gerät wird auf der Innenseite der Tür montiert und sitzt dort über dem Schließzylinder. Der Türschlüssel verbleibt im Antrieb, der ihn auf Befehl elektromotorisch dreht und so die Tür entriegelt. Ausgelöst wird der Antrieb über eine App auf dem Smartphone oder Tablet, die per WLAN mit dem Gerät kommuniziert. Damit ist die Tür ortsunabhängig zu öffnen, vom Sessel im Wohnzimmer, vom Bett, vom Schreibtisch oder, je nach Anbieter, auch von unterwegs. Viele Modelle haben zusätzlich einen Knopf am Gerät selbst, der eine Bedienung direkt an der Tür ermöglicht.

Technisch sind zwei Varianten verbreitet. Einige Antriebe verbinden sich direkt mit dem heimischen WLAN. Andere arbeiten mit einer kleinen Funkbrücke, die in der Nähe der Tür in die Steckdose gesteckt wird und zwischen Antrieb und Router vermittelt. Der Vorteil der zweiten Bauart ist eine stabilere Verbindung in Wohnungen, in denen das WLAN-Signal an der Tür schwach ist. Die Stromversorgung des Antriebs erfolgt über Batterien oder einen aufladbaren Akku.

Voraussetzung: ein passender Schließzylinder

Wichtig zu wissen: Damit der Antrieb von innen drehen kann, muss der Schlüssel die ganze Zeit im Zylinder stecken bleiben. Bei einem Standardzylinder hat das eine Folge, die unbedingt zu bedenken ist, nämlich dass die Tür von außen mit einem zweiten Schlüssel nicht mehr geöffnet werden kann. Deshalb ist für den Einsatz mit einem Türschlossantrieb ein Schließzylinder mit Not- und Gefahrenfunktion erforderlich. Er erlaubt es Angehörigen, dem Pflegedienst oder im Ernstfall den Rettungskräften, mit einem Zweitschlüssel von außen aufzuschließen, obwohl der eigene Schlüssel innen im Antrieb steckt. Wer einen Türschlossantrieb anschafft, sollte den Zylindertausch immer mit einplanen.

Ehrlich gesagt: Was der Antrieb leistet und was nicht

Der Antrieb ersetzt das Drehen des Schlüssels, nicht das Öffnen der Tür selbst. Wer die Tür von innen mit einer Klinke öffnen kann, kommt damit hindurch, sobald entriegelt ist. Geht es jedoch um eine schwergängige Wohnungstür mit hoher Falle, einer Bodendichtung oder einer Mehrfachverriegelung, an der man kräftig ziehen muss, hilft der Antrieb nur teilweise.

Weitere Punkte, die zu bedenken sind:

  • Die Bedienung läuft über das Smartphone oder Tablet. Wer mit der Eingabe der PIN am Sperrbildschirm bereits hadert, wird die App im Alltag eher als Hürde als als Erleichterung erleben. Das Gerät sollte vorab in Ruhe ausprobiert werden.
  • Ohne funktionierendes WLAN entfällt der Hauptzweck. Bei einem Router-Neustart, einer Internetstörung oder einem schwachen Signal an der Tür kann es vorkommen, dass die App nicht reagiert. Ein Modell mit Funkbrücke und der zusätzliche Knopf am Gerät schaffen hier Reserven.
  • Cloudgebundene Systeme übertragen Öffnungsdaten an den Hersteller. Wer Wert auf Datensparsamkeit legt, sollte gezielt nach Modellen suchen, die ohne Cloud auskommen oder bei denen sich die Cloud-Anbindung abschalten lässt.
  • Leere Batterien zur falschen Zeit sind ärgerlich. Die meisten Modelle melden den Ladezustand frühzeitig, dennoch sollte ein zweiter Schlüssel außerhalb der Wohnung deponiert sein, etwa in einem Schlüsseltresor oder bei einer Vertrauensperson.
  • Wer das Smartphone verliert, muss zügig den Zugang sperren können. Diese Funktion bietet die Hersteller-App, sie sollte vor der ersten Nutzung eingerichtet sein, nicht erst im Verlustfall.
  • In Mietwohnungen ist der Einbau in der Regel zulässig, weil er rückstandsfrei rückbaubar ist. Bei Bedenken hilft ein Blick in den Mietvertrag oder eine kurze Rücksprache mit der Vermieterin oder dem Vermieter.
  • Die Preise liegen für Antriebe mit WLAN-Funktion etwa zwischen 200 und 400 Euro, mit zusätzlicher Funkbrücke oder weiterem Zubehör auch darüber. Der erforderliche Zylinder mit Not- und Gefahrenfunktion kommt mit 40 bis 150 Euro hinzu.

Was sich im Alltag ändert

Die spürbarste Veränderung ist das Wegfallen vieler kleiner Wege zur Tür. Wer vom Sofa, vom Bett oder vom Esstisch aus öffnen kann, wenn der Pflegedienst, eine Lieferung oder ein Besuch kommt, spart Zeit, Kraft und gegebenenfalls Schmerzen. Bei festen Besuchszeiten sinkt die Belastung zusätzlich, weil der Tagesablauf nicht jedes Mal unterbrochen werden muss. Wer schlecht hört und das Klingeln erst spät bemerkt, gewinnt einen Moment zurück, weil das Öffnen aus dem Sessel heraus deutlich schneller geht als der Weg zur Tür.

Eine Lösung von mehreren

Der WLAN-Türschlossantrieb ist eine vergleichsweise aufwendige Lösung. Je nach Situation kommen einfachere oder ergänzende Wege in Betracht:

  • Ein elektrischer Türöffner mit Sprechanlage, in vielen Mehrfamilienhäusern bereits für die Haustür unten vorhanden, lässt sich grundsätzlich auch für die eigene Wohnungstür nachrüsten.
  • Eine Video-Türsprechanlage erlaubt zusätzlich zu sehen, wer vor der Tür steht, bevor geöffnet wird.
  • Ein Schlüsseltresor (Key Safe) an der Hausfassade ist die einfachste Variante, dem Pflegedienst oder Angehörigen einen geregelten Zugang zu geben, ohne dass jemand zur Tür kommen muss.
  • Ein Schließzylinder mit Not- und Gefahrenfunktion ohne motorischen Antrieb ist deutlich günstiger, wenn das Anliegen vor allem darin besteht, dass Angehörige im Bedarfsfall hereinkommen können. Aufstehen muss man dann allerdings weiterhin.
  • Wer ohnehin Smart-Home-Komponenten im Haushalt nutzt, kann den Antrieb in das vorhandene System einbinden, etwa mit Sprachsteuerung oder festen Routinen kombiniert.

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