Wearables im Alter: Was Fitnessuhren und smarte Ringe leisten

Wearables im Alter für Senioren

Fitnessuhren, Smartwatches und smarte Ringe sind längst nicht mehr nur etwas für sportliche junge Menschen. Auch im Alter wecken diese sogenannten Wearables Interesse, weil sie Bewegung, Puls und Schlaf erfassen und manche Modelle im Notfall sogar Hilfe rufen können. Bevor man sich ein solches Gerät zulegt, lohnt ein nüchterner Blick darauf, was Wearables im Alltag älterer Menschen tatsächlich leisten, wo ihre Grenzen liegen und für wen sich die Anschaffung wirklich lohnt.

Was sind Wearables?

Der Begriff Wearable (vom englischen „to wear“, also tragen) bezeichnet kleine elektronische Geräte, die am Körper getragen werden, meist als Uhr am Handgelenk, zunehmend auch als Ring am Finger. Eingebaute Sensoren messen je nach Modell die Schrittzahl, den Puls, die Schlafdauer, die Sauerstoffsättigung im Blut und weitere Werte. Diese Daten überträgt das Wearable per Bluetooth an eine App auf dem Smartphone, die sie als Tabelle oder Kurve darstellt.

Bei den Geräten lassen sich grob drei Gruppen unterscheiden:

  • Einfache Fitnessarmbänder zählen vor allem Schritte und messen den Puls. Sie sind günstig und haben eine lange Akkulaufzeit.
  • Smartwatches bieten zusätzlich Funktionen wie Sturzerkennung, Notruf, EKG-Funktion oder die Anzeige von Nachrichten. Sie kosten mehr und müssen häufiger geladen werden.
  • Smarte Ringe messen ähnliche Werte wie ein Fitnessarmband, sind aber unauffälliger und werden Tag und Nacht getragen.

Welche Funktionen im Alter wirklich nützen

Nicht jede Funktion eines Wearables ist für ältere Menschen gleich wichtig. Im Alltag haben sich vor allem drei Anwendungen als sinnvoll erwiesen.

Die Bewegungsmessung kann motivieren. Wer sieht, wie viele Schritte er am Tag zurückgelegt hat, bleibt eher an einer regelmäßigen Runde dran, und regelmäßige Bewegung gehört zu den wichtigsten Faktoren für ein gesundes Älterwerden. Diese motivierende Wirkung ist allerdings individuell: Den einen spornt die Zahl an, den anderen lässt sie kalt.

Die Sturzerkennung mit automatischem Notruf ist für allein lebende Menschen die womöglich wertvollste Funktion. Erkennt die Uhr einen harten Sturz und reagiert die Trägerin nicht innerhalb einer kurzen Frist, setzt das Gerät selbsttätig einen Notruf ab und sendet den Standort. Diese Funktion findet sich vor allem bei Smartwatches, nicht bei einfachen Fitnessarmbändern oder Ringen.

Die Pulsmessung kann auffällige Herzrhythmen anzeigen, manche Smartwatches verfügen über eine EKG-Funktion. Das ersetzt keine ärztliche Diagnose, kann aber im Einzelfall ein Anlass sein, einen unregelmäßigen Puls ärztlich abklären zu lassen.

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Ehrlich gesagt: Was Wearables leisten und was nicht

Ein Wearable misst und motiviert, es behandelt nichts und ersetzt keine ärztliche Versorgung. Die ermittelten Werte sind Anhaltspunkte für den Hausgebrauch, keine medizinischen Messungen, und gerade bei einfachen Geräten können sie deutlich von der Wirklichkeit abweichen.

Weitere Punkte, die zu bedenken sind:

  • Wearables setzen ein Smartphone und ein Nutzerkonto voraus. Ohne eine gewisse Vertrautheit mit Apps bleibt ein Teil der Funktionen ungenutzt. Die erste Einrichtung gelingt oft leichter mit Unterstützung durch Angehörige.
  • Der Akku will geladen werden, bei Smartwatches oft täglich oder alle paar Tage. Wer das Laden vergisst, hat im entscheidenden Moment ein totes Gerät, was gerade bei der Notruffunktion fatal wäre.
  • Die Schlafauswertung wird häufig überschätzt. Wearables schätzen den Schlaf aus Bewegung und Puls, sie messen ihn nicht im medizinischen Sinn. Wer ohnehin zu Schlafsorgen neigt, kann durch nächtliche Datenauswertung eher verunsichert werden.
  • Gesundheitsdaten sind besonders sensibel. Sie liegen bei den meisten Anbietern auf Servern des Herstellers, teils außerhalb Europas. Ein Blick in die Datenschutzhinweise lohnt sich.
  • Für manche Apps fallen laufende Abogebühren an, ohne die ein Teil der Auswertungen gesperrt bleibt. Vor dem Kauf sollte geklärt sein, welche Funktionen dauerhaft kostenlos sind.
  • Die Sturzerkennung arbeitet nicht fehlerfrei. Sie kann echte Stürze übersehen und harmlose Bewegungen als Sturz werten. Als alleinige Absicherung im Notfall ist sie deshalb mit Vorsicht zu betrachten.
  • Die Preise reichen von etwa 30 Euro für einfache Fitnessarmbänder über 150 bis 400 Euro für Smartwatches mit Sturzerkennung bis zu ähnlichen Beträgen für smarte Ringe, bei letzteren teils zuzüglich Abogebühr.

Was sich im Alltag ändert

Für technikoffene Menschen kann ein Wearable den Blick auf die eigene Bewegung schärfen und zu mehr Aktivität anregen, ähnlich wie ein gut sichtbarer Schrittzähler. Wer allein lebt, gewinnt mit einer zuverlässig eingerichteten Sturzerkennung ein Stück Sicherheit. Wichtig ist eine ehrliche Selbsteinschätzung: Wer Apps als Last empfindet und das tägliche Laden als Pflicht, wird das Gerät bald in der Schublade liegen lassen. Eine Probezeit von einigen Wochen zeigt, ob das Wearable wirklich zum Alltag passt.

Eine Lösung von mehreren

Ein Wearable ist eine Möglichkeit unter mehreren, je nach Ziel führen andere Wege oft einfacher dorthin:

  • Geht es vor allem um Bewegung, tut ein schlichter Schrittzähler für wenige Euro denselben Dienst, ohne App und ohne Konto.
  • Geht es um Sicherheit im Notfall, ist ein klassischer Hausnotruf die ausgereiftere Lösung. Der Notrufknopf wird als Armband oder Kette getragen, funktioniert ohne Smartphone und ist an eine rund um die Uhr besetzte Zentrale angebunden. Für viele ältere Menschen ist das die verlässlichere Wahl als die Sturzerkennung einer Smartwatch.
  • Geht es um die Beobachtung von Blutdruck oder Blutzucker, sind dafür vorgesehene Messgeräte genauer als ein Wearable.
  • Geht es um Motivation zu mehr Bewegung, wirken feste Verabredungen, eine Spazierrunde mit Nachbarn oder ein Seniorensportkurs oft nachhaltiger als die Zahlen auf einem Display.

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QUELLE:
https://thomas-schatz.de/hilfsmittel/wearables-2/

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