Anziehen ohne Überkopfbewegung: Wie adaptive Unterhemden den Alltag bei Schulterproblemen erleichtern
Eingeschränkte Beweglichkeit in der Schulter gehört zu den häufigsten Beschwerden im höheren Alter. Arthrose im Schultergelenk, eine Rotatorenmanschettenruptur, die Folgen einer Operation oder schlicht die mit den Jahren nachlassende Beweglichkeit haben eine im Alltag oft unterschätzte Konsequenz: Das Anheben der Arme über Schulterhöhe wird schmerzhaft oder schlicht unmöglich. Was im Alltag häufig zuerst auffällt, ist das morgendliche Anziehen. Ein Unterhemd über den Kopf zu ziehen, eine Sache von Sekunden in jüngeren Jahren, gerät dann zur Geduldsprobe. Für genau diese Fälle gibt es eine pragmatische Lösung: adaptive Unterhemden.
Wie diese Unterhemden gebaut sind
Das Besondere liegt in den zusätzlichen Öffnungen. Manche Modelle haben Druckknöpfe an beiden Schultern, andere Klettverschlüsse seitlich oder vorn. Allen gemeinsam ist, dass sich das Hemd vollständig öffnen lässt und wie eine Jacke angelegt werden kann. Die Überkopfbewegung entfällt damit komplett.
Zwei Anwendungsfälle haben sich in der Praxis bewährt. Erstens das selbstständige Anziehen bei eingeschränkter Schulterbeweglichkeit, beispielsweise nach einer Operation oder bei fortgeschrittener Arthrose. Zweitens der Wechsel im Liegen, wenn ein Angehöriger oder eine Pflegekraft hilft. Das Hemd lässt sich seitlich unter dem Rücken durchziehen, ohne den Oberkörper aufrichten oder die Arme heben zu müssen.
Was zu bedenken ist
Ehrlich gesagt: Adaptive Unterwäsche ist nicht für jeden die richtige Wahl. Die mehreren Verschlüsse erfordern zusätzliche Handgriffe, was bei stark eingeschränkter Feinmotorik mühsam werden kann. Wer Schwierigkeiten hat, Druckknöpfe zu schließen oder Klett richtig zu positionieren, kommt damit unter Umständen schlechter zurecht als mit einem klassischen Hemd. Auch sollte erwähnt werden, dass die Auswahl an Materialien, Farben und Schnitten kleiner ist als bei herkömmlicher Unterwäsche und der Preis meist etwas höher liegt.
Für Menschen mit deutlichen Schulterproblemen oder in der Phase nach einer Operation überwiegt der Gewinn dennoch klar, da das Anziehen ohne fremde Hilfe möglich bleibt oder, im Pflegealltag, deutlich weniger Kraft verlangt.
Was die Lösung im Alltag bewirkt
Auf den ersten Blick wirkt ein Unterhemd unspektakulär. Wer den Vorgang aber jeden Morgen mit Schmerzen verbindet, kennt das ungute Gefühl, mit dem der Tag beginnt. Verschwindet dieser Punkt aus dem Tagesablauf, ändert sich die Stimmung am Morgen spürbar. Wer das Anziehen wieder selbst erledigen kann, gewinnt zudem ein Stück Privatsphäre zurück, das im Pflegekontext oft unterschätzt wird.
Eine Lösung von mehreren
Adaptive Kleidung gibt es nicht nur als Unterhemd. Hosen mit seitlichen Reißverschlüssen erleichtern das Anziehen im Sitzen oder im Liegen, Blusen und Hemden mit Magnetknöpfen ersparen das umständliche Hantieren mit kleinen Knöpfen, und spezielle BHs lassen sich vorn statt im Rücken schließen. Auch ohne Spezialkleidung lässt sich vieles erreichen: Anziehhilfen für Strümpfe und Schuhe, Knöpfhilfen und Reißverschlussanhänger sind preiswert und oft schon eine spürbare Erleichterung.
Wer einen Überblick sucht, wird bei Ergotherapeuten, in Sanitätshäusern und in den Wohnberatungsstellen der Kommunen kompetent beraten. Im Pflegefall lohnt es sich außerdem, mit der Pflegekasse zu klären, welche Hilfen anteilig übernommen werden.
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