Bewegung vor dem Fernseher: Was Spielkonsolen für aktive Senioren bieten können
Regelmäßige Bewegung gehört zu den wichtigsten Faktoren für ein gesundes Älterwerden. Schon zehn bis fünfzehn Minuten am Tag, bei denen das Gleichgewicht gefordert ist und die Muskeln gefordert werden, tragen messbar dazu bei, die Sturzgefahr zu verringern und die Beweglichkeit zu erhalten. In der Praxis scheitert das aber oft an einfachen Hindernissen: Das Wetter ist schlecht, der Weg zur Gymnastikgruppe zu weit, oder die Gelenke melden sich gerade zu deutlich.
Für genau diese Situationen gibt es seit einigen Jahren eine ungewöhnliche Möglichkeit, die nicht jedem sofort einleuchtet: Bewegungsspiele auf einer Spielkonsole, gespielt im eigenen Wohnzimmer vor dem Fernseher.
Wie Bewegungsspiele auf Konsolen funktionieren
Moderne Spielkonsolen wie die Nintendo Switch erkennen mit eingebauten Sensoren die eigenen Bewegungen und übertragen sie auf das Spielgeschehen am Bildschirm. Beim virtuellen Bowling wird der Arm so geschwungen, als stünde man wirklich auf der Bahn, beim Tanzen folgt man Schrittfolgen auf dem Bildschirm, bei einem Yoga oder Gymnastikspiel wird man durch einfache Übungen geführt. Speziell für ältere Spielerinnen und Spieler gibt es Programme, die ein moderates Tempo vorgeben und ausdrücklich auch im Sitzen funktionieren.
Die Konsole steht dauerhaft am Fernseher, das Spielen ist jederzeit möglich, und ein eigenes Sportzimmer braucht es nicht. Für viele liegt darin der eigentliche Reiz: Die Hürde, mit der Bewegung anzufangen, ist im eigenen Wohnzimmer deutlich niedriger als bei einem Termin im Vereinsheim.
Was zu bedenken ist
Ehrlich gesagt: Spielkonsolen sind nicht für jeden der passende Weg. Die Anschaffung kostet je nach Modell zwischen zweihundert und vierhundert Euro, dazu kommen die Spiele. Auch die Einrichtung verlangt etwas Technikaffinität oder Hilfe von jemandem, der sich auskennt. Wer nie ein Smartphone bedient hat und mit Fernbedienungen schon ringt, wird mit einer Konsole nicht zwingend glücklich.
Außerdem ersetzt das Spielen vor dem Bildschirm den Spaziergang an der frischen Luft nicht. Beides hat seinen Wert, und im Idealfall ergänzen sich beide Formen der Bewegung. Bei körperlichen Vorerkrankungen, etwa nach einer Hüft oder Knie OP, einem Schlaganfall oder bei Schwindelneigung, lohnt es sich, vorher mit dem Hausarzt oder dem Physiotherapeuten zu besprechen, welche Übungen sinnvoll sind und welche nicht. Manche Bewegungsspiele setzen schnellere Reaktionen voraus, als für ältere Spieler angenehm ist.
Zwei praktische Hinweise zur Sicherheit: Vor dem Spielen sollte ausreichend Platz vor dem Fernseher freigeräumt und auf festen Stand geachtet werden. Stolperfallen wie Teppichkanten oder lose Kabel gehören für die Dauer des Spielens beiseite. Wer unsicher steht, sollte einen stabilen Stuhl in Reichweite haben oder von vornherein die Sitzvariante wählen.
Was die Lösung im Alltag bewirken kann
Wer den Einstieg findet, hat eine Bewegungsmöglichkeit, die unabhängig von Wetter, Tageszeit und Mitspielern verfügbar ist. Manche Familien nutzen die Konsole zudem als gemeinsamen Spaß zwischen Großeltern und Enkeln, was sowohl die Bewegung als auch den Familienkontakt fördert. Wenn das Tanzspiel im Wohnzimmer für gelegentliche Lacher mit der Enkelin sorgt, ist viel gewonnen, auch unabhängig vom messbaren Trainingseffekt.
Eine Möglichkeit von mehreren
Spielkonsolen sind nur ein Weg, sich zu Hause in Bewegung zu halten. Klassische Gymnastik nach DVD oder YouTube Video kostet nichts und braucht keine Konsole. Auch das Bewegungsprogramm „Bewegt älter werden“, das viele Sportvereine anbieten, ist eine bewährte Möglichkeit, die meist in Wohnortnähe stattfindet. Die Sportvereine selbst, die Volkshochschulen, Reha Sportgruppen und Sturzpräventionskurse der Krankenkassen sind hervorragende Anlaufstellen, oft sogar kostenfrei oder zu sehr geringem Beitrag. Auch ein Physiotherapeut kann ein kleines Programm für zu Hause zusammenstellen, das genau auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist.
Wer einen Überblick sucht, wird bei den Sportvereinen, den Krankenkassen, in Pflegestützpunkten und in den Wohnberatungsstellen der Kommunen gut beraten.
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