Mehr Schutz vor Knochenbrüchen: Protektoren in der Unterwäsche
Stürze gehören zu den häufigsten Unfallursachen im höheren Lebensalter. Mit nachlassender Muskelkraft, eingeschränkter Beweglichkeit, einer veränderten Knochendichte und manchmal einer Sehbeeinträchtigung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine kleine Unachtsamkeit Folgen hat. Besonders gefürchtet ist der hüftgelenknahe Oberschenkelbruch (umgangssprachlich Oberschenkelhalsbruch), weil er fast immer mit einer Operation, einer längeren Rehabilitation und einem deutlichen Einschnitt in die Beweglichkeit verbunden ist. Eine spezielle Schutzhose mit eingearbeiteten Hüftprotektoren kann das Risiko, sich bei einem Sturz an dieser Stelle zu verletzen, verringern.
Wie eine Schutzhose mit Hüftprotektoren funktioniert
Die Hose sieht auf den ersten Blick aus wie eine etwas dickere Unterhose. An den Seiten, über dem großen Rollhügel des Oberschenkelknochens (Trochanter major), sitzen entweder eingenähte oder in Taschen eingeschobene Protektoren. Verbreitet sind zwei Arten:
- Harte Protektorschalen aus Kunststoff. Sie leiten die Aufprallenergie um den Knochen herum in das umliegende Weichgewebe.
- Weiche Polster aus Schaumstoff oder Spezialschaum. Sie absorbieren die Aufprallenergie durch Verformung.
Es gibt Modelle für Frauen und Männer, in unterschiedlichen Schnitten, mit langem oder kurzem Bein, mit oder ohne Einlage im Schritt für Personen mit Inkontinenz. Zu beachten ist nicht nur der Schutz der Hüfte, auch andere Kriterien sind relevant, z. B. ob die Unterhose beim Gang zur Toilette einfach und zügig heruntergezogen werden kann oder ob trotz der Polster ein Liegen auf der Seite möglich ist. Das sollte getestet werden.

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Ehrlich gesagt: Was die Protektoren leisten und was nicht
Die Unterhose verhindert keine Stürze. Sie soll im Fall eines Sturzes die Wahrscheinlichkeit eines Bruchs in der Hüftregion verringern. Andere Verletzungen, vor allem an Handgelenken, Schulter, Knie oder Kopf, deckt sie nicht ab. Wer also vor allem stolpert und nach vorn fällt, verletzt sich oft an anderen Körperteilen, und genau hier wirkt die Hose nicht.
Weitere Punkte, die zu bedenken sind:
- Die Hose muss richtig sitzen. Verrutschen die Protektoren auch nur um wenige Zentimeter, sitzen sie im Sturzfall nicht über dem Knochen, sondern daneben. Eine korrekte Größe und ein eng anliegender Schnitt sind deshalb wichtiger als ein modisches Aussehen.
- Tragekomfort ist der entscheidende Faktor für die tatsächliche Wirksamkeit. Manche Menschen empfinden harte Schalen als unangenehm, andere finden weiche Polster zu warm. Es lohnt sich, vor dem Kauf verschiedene Modelle anzuprobieren, am besten im Sanitätshaus.
- Im Sommer kann die Hose unter normaler Kleidung als zusätzliche Schicht warm sein. Es gibt dünnere Sommermodelle und atmungsaktive Stoffe, sie sind aber nicht in jedem Sortiment vorhanden.
- Für Menschen mit Inkontinenz gibt es kombinierte Modelle, die das Tragen einer separaten Vorlage ermöglichen oder eigene saugende Einlagen mitbringen.
- Bei manchen Modellen werden die Protektoren vor dem Waschen herausgenommen, bei anderen ist die Hose komplett waschbar. Für den Alltag sind drei bis fünf Hosen im Wechsel sinnvoll.
- Die Preise liegen je nach Ausführung etwa zwischen 30 und 80 Euro pro Hose. Bei vorhandenem Pflegegrad oder erhöhtem Sturzrisiko können Hüftprotektoren in bestimmten Fällen über die gesetzliche Kranken- oder Pflegekasse mitfinanziert werden, hier hilft die Verordnung durch den behandelnden Arzt und ein Beratungsgespräch im Sanitätshaus.
- Wichtig: Die Schutzhose ist eine Ergänzung, kein Ersatz für die eigentliche Sturzprävention. Wer Stürze hat oder fürchtet, sollte zuerst die Ursachen klären lassen (Medikamente, Blutdruck, Sehkraft, Muskelkraft, Schwindel) und gezielt daran arbeiten.
Was sich im Alltag ändert
Wer die Schutzhose konsequent trägt, gewinnt vor allem etwas Schwerwiegendes: weniger Sorge davor, dass ein Sturz unmittelbar in einen Krankenhausaufenthalt mündet. Das kann Angehörige entlasten und die eigene Bewegungsfreude erhalten, weil Aktivitäten nicht mehr unter dem unausgesprochenen Vorbehalt „Wenn nur nichts passiert …“ stehen. Die Wirkung ist also nicht nur körperlich, sondern auch psychologisch, allerdings nur dann, wenn das Tragen Routine geworden ist und nicht ständig hinterfragt wird.
Eine Lösung von mehreren
Die Schutzhose mit Hüftprotektor ist ein Baustein in einer umfassenderen Sturzprävention. Je nach Situation kommen andere oder ergänzende Maßnahmen in Betracht, die oft mehr bewirken als die Hose allein:
- Ein Sturzpräventionstraining (Kraft- und Gleichgewichtstraining) ist die wirksamste Einzelmaßnahme gegen Stürze überhaupt. Viele Volkshochschulen, Reha-Sport-Vereine und Physiotherapiepraxen bieten entsprechende Kurse an, häufig mit Bezuschussung der Krankenkasse.
- Eine Wohnraumanpassung beseitigt typische Sturzfallen: lose Teppiche fixieren oder entfernen, Haltegriffe im Bad, gute Beleuchtung in Fluren und Treppenhaus, Nachtlicht auf dem Weg zur Toilette, Stolperkanten markieren.
- Ein Sehtest und eine angemessene Brille reduzieren das Risiko deutlich, weil viele Stürze auf Wahrnehmungsproblemen beruhen.
- Eine Überprüfung der Medikation durch den behandelnden Arzt oder die Apotheke kann sturzfördernde Wirkungen (Blutdrucksenker, Schlafmittel, manche Antidepressiva) sichtbar machen und gegebenenfalls anpassen.
- Festes, geschlossenes Schuhwerk mit rutschfester Sohle ist eine einfache und wirkungsvolle Maßnahme, sowohl draußen als auch in der Wohnung.
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