Messgeräte für gesünderes Raumklima: Hygrometer und CO₂-Sensor

Messgeräte für gesünderes Raumklima: Hygrometer und CO2-Sensoren

Mit den Jahren lässt der Geruchssinn nach, und auch das feine Gespür dafür, wann die Luft in einem Raum „verbraucht“ ist, wird schwächer. Hinzu kommt, dass viele ältere Menschen mehr Zeit zu Hause verbringen, häufig in denselben Zimmern und mit eher zurückhaltendem Lüftungsverhalten in der kalten Jahreszeit. Aus diesem Zusammenspiel entsteht leicht eine Wohnsituation, in der die Luft zu trocken, die Feuchtigkeit zu hoch oder der CO₂-Gehalt deutlich erhöht ist, ohne dass das im Alltag auffällt. Ein kleines Messgerät kann diese Werte sichtbar machen.

Was die Geräte messen

Üblich sind Geräte mit drei Funktionen: Sie zeigen die Raumtemperatur, die relative Luftfeuchtigkeit und den CO₂-Gehalt der Luft an. Viele Modelle blenden zusätzlich eine farbige Ampel ein: grün für unbedenkliche Werte, gelb für „bald lüften“, rot für „jetzt lüften“. Andere Modelle beschränken sich auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit (klassisches Hygrometer) oder messen ausschließlich CO₂.

Bei CO₂ lohnt sich ein zweiter Blick auf die Technik. Echte CO₂-Sensoren arbeiten nach dem sogenannten NDIR-Verfahren (Infrarotmessung) und liefern verlässliche Werte. Günstige Geräte enthalten oft nur einen Sensor für flüchtige organische Verbindungen (VOC) und rechnen daraus einen geschätzten „CO₂-Äquivalentwert“ hoch. Diese Schätzung kann deutlich daneben liegen, etwa wenn im Raum geputzt, gekocht oder ein Raumduft verwendet wird. Wer den CO₂-Gehalt verlässlich wissen möchte, sollte auf die Angabe „NDIR“ oder „Infrarotsensor“ achten.

Warum die Werte überhaupt eine Rolle spielen

Eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen etwa 40 und 60 Prozent gilt als angenehm. Darunter werden die Schleimhäute in Nase und Hals trocken, was Atemwegsinfekte begünstigt und bei trockenen Augen oder Hauttrockenheit zusätzlich stört. Darüber, vor allem an kalten Außenwänden, steigt die Schimmelgefahr.

Der CO₂-Gehalt der Außenluft liegt bei rund 420 ppm. In bewohnten Räumen ist er fast immer höher, weil Menschen beim Atmen CO₂ abgeben. Werte bis etwa 1000 ppm gelten als gut, ab 1400 ppm wird die Luft als belastend empfunden, oft begleitet von Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und leichten Kopfschmerzen. Spätestens dann ist Lüften angebracht. Wer schlecht schläft oder am Vormittag immer wieder müde wird, kann mit einem Messgerät überprüfen, ob das Schlafzimmer nachts ausreichend mit Frischluft versorgt ist.

Ehrlich gesagt: Was die Geräte leisten und was nicht

Ein Messgerät zeigt Werte an, es verändert sie nicht. Wer ablesen kann, dass die Luft schlecht ist, muss dann auch tatsächlich lüften, sonst bleibt der Nutzen aus. Für Menschen mit ausgeprägter Vergesslichkeit oder eingeschränkter Mobilität, die das Lüften ohnehin als anstrengend empfinden, löst das Gerät das eigentliche Problem nicht.

Weitere Punkte, die zu bedenken sind:

  • Der Standort ist entscheidend. Direkte Sonne, Heizungsnähe, ein Platz an der Außenwand oder direkt neben einem Fenster verfälschen die Werte. Sinnvoll ist ein Platz im genutzten Wohnbereich, in etwa Brusthöhe, nicht zu nah an Wärmequellen.
  • Günstige Hygrometer haben oft Abweichungen von mehreren Prozentpunkten. Ein Vergleich mit einem zweiten Gerät gibt eine grobe Orientierung.
  • Werte sind keine medizinische Diagnose. Wer dauerhaft trockene Schleimhäute, anhaltende Kopfschmerzen oder wiederkehrende Atemwegsbeschwerden hat, sollte das ärztlich abklären lassen, statt allein die Luftwerte zu optimieren.
  • Sichtbarer Schimmel an Wänden lässt sich mit einem Messgerät nicht beheben. Hier braucht es eine Ursachenklärung (Bauschäden, falsches Lüften, fehlende Dämmung) und meist Fachhilfe.
  • Smarte Geräte mit App übertragen Daten an den Hersteller. Wer Angehörige aus der Ferne mitsehen lassen möchte, sollte vorher klären, wer Zugriff erhält und wie die Daten verarbeitet werden. Rein lokale, datensparsame Modelle sind die Ausnahme.
  • Die Preise liegen für einfache Hygrometer bei etwa 10 bis 25 Euro, für Geräte mit echtem NDIR-CO₂-Sensor bei rund 80 bis 200 Euro, mit App- und WLAN-Anbindung darüber.

Was sich im Alltag ändert

Wer ein Messgerät an einem sinnvollen Platz aufstellt, gewöhnt sich erfahrungsgemäß rasch daran, die Werte beiläufig wahrzunehmen, ähnlich wie ein Blick aufs Außenthermometer. Daraus entwickelt sich oft eine bewusstere Lüftungsroutine, ohne dass das Gerät ständig kontrolliert werden müsste. Gerade im Winter lässt sich die Frage „Habe ich schon gelüftet?“ objektiv beantworten, was bei nachlassendem Kurzzeitgedächtnis hilfreich ist. Bei Modellen mit Ampel genügt dafür ein kurzer Blick.

Eine Lösung von mehreren

Ein Messgerät ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, das Raumklima im Griff zu behalten. Je nach Wohnsituation und Anliegen kommen ergänzende Wege in Betracht:

  • Eine feste Lüftungsroutine, etwa zwei- bis viermal täglich für einige Minuten stoßzulüften, im Winter kürzer, im Sommer länger, erreicht ohne jede Technik viel und ist die wichtigste Grundlage.
  • Ein einfaches analoges Hygrometer kostet wenige Euro und liefert zwar keine CO₂-Werte, reicht für das Auge auf die Luftfeuchtigkeit aber oft aus.
  • Zimmerpflanzen oder eine Schale Wasser auf der Heizung erhöhen die Luftfeuchtigkeit nur geringfügig. Wer wirklich zu trockene Luft hat, ist mit einem hygienisch betriebenen Luftbefeuchter besser bedient, sollte aber Pflegeaufwand und Risiko der Verkeimung mitbedenken.
  • Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit oder beginnender Schimmelbildung ist häufiges, gezieltes Stoßlüften wirksamer als jedes Gerät. Ein elektrischer Luftentfeuchter kann in feuchten Kellerräumen oder nach Wasserschäden sinnvoll sein, ersetzt aber keine bauliche Ursachenklärung.
  • Bei wiederkehrenden Problemen mit Schimmel oder schlechter Belüftung sollte ein Fachbetrieb die Bauphysik prüfen, manchmal liegt das Problem an Wärmebrücken oder unzureichender Dämmung.
  • Wer Angehörigen aus der Ferne Einblick geben möchte, sollte vorher gemeinsam klären, ob das wirklich entlastet oder eher zusätzliche Sorgen erzeugt.

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