Zweckentfremdung: Wie ein Zollstock zum praktischen Kartenhalter wird

DIY-Hilfsmittel für Senioren

Wer schon einmal mit zitternden oder kraftlosen Händen versucht hat, einen ganzen Skat- oder Romméstapel zu fächern, weiß, wie schnell das den Spaß am Spielen verderben kann. Die Karten rutschen weg, der Daumen verkrampft, und nach einer halben Stunde tut die Hand mehr weh, als das Spiel Freude macht. Mit der Zeit legen viele ältere Menschen das Kartenspielen deshalb beiseite, obwohl es eine der schönsten geselligen Beschäftigungen überhaupt ist.

Es gibt jedoch ein überraschend einfaches Hilfsmittel für Senioren, das in vielen Haushalten schon in der Werkzeugschublade liegt: der gute alte Gliedermaßstab, im Volksmund Zollstock genannt.

Vom Werkzeug zum Kartenhalter

Die Idee ist denkbar einfach. Der Zollstock wird so aufgeklappt, dass er ein Dreieck oder eine flache Zickzackform ergibt. Zwischen die einzelnen Glieder lassen sich die Spielkarten stecken, die anschließend stabil und aufgefächert vor dem Spieler stehen. Beide Hände sind frei, und der Blick auf das eigene Blatt ist genauso übersichtlich wie sonst.

Wer mag, kann mit der Faltform experimentieren. Ein gleichseitiges Dreieck ist besonders standfest, eine flachere Welle bietet mehr Platz für viele Karten. Auch zwei nebeneinander gestellte Zollstöcke sind möglich, wenn das Blatt einmal größer ausfällt.

Was zu bedenken ist

Ehrlich gesagt: Diese kleine Bastellösung hat ihre Grenzen. Die Karten stehen offen vor dem Spieler, was beim gemeinsamen Spielen an einem Tisch unpraktisch wird, wenn der Mitspieler einen Blick auf das eigene Blatt erhaschen könnte. In solchen Fällen lohnt es sich, den Halter etwas zum eigenen Sitzplatz hin zu neigen oder eine kleine Sichtblende dahinter zu stellen.

Wer regelmäßig spielt und eine dauerhaftere Lösung sucht, findet im Handel auch fertige Kartenhalter aus Holz oder Kunststoff. Diese halten die Karten oft noch sicherer, sind speziell für diesen Zweck gebaut und kosten meist nur wenige Euro. Auch elektrische Kartenmischmaschinen können sinnvoll sein, wenn das Mischen mit der Hand schwerfällt. Vor dem Kauf lohnt es sich aber durchaus, die Zollstockvariante einmal auszuprobieren, weil sie in vielen Fällen schon genügt.

Was die kleine Lösung im Alltag bewirkt

Der eigentliche Gewinn liegt nicht im Zollstock selbst, sondern darin, dass eine lieb gewordene Beschäftigung erhalten bleibt. Das wöchentliche Kartenspiel mit Freunden oder mit den Enkeln ist für viele Menschen weit mehr als Zeitvertreib. Es bringt Gesellschaft, hält den Kopf in Bewegung und sorgt für jene Momente, in denen gelacht und über alte Geschichten gesprochen wird. Wenn das Festhalten der Karten dem im Weg steht, lohnt sich jede kleine Lösung, die es weiter ermöglicht.

Eine Idee von vielen

Der Zollstock als Kartenhalter ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich der Alltag mit kreativen Kleinigkeiten erleichtern lässt. Ähnliches gilt für andere Bereiche: Ein Gummiband um den Schraubdeckel verbessert den Halt beim Öffnen, ein nasses Geschirrtuch unter dem Schneidebrett verhindert das Verrutschen, und ein einfacher Schuhlöffel mit langem Stiel erspart das tiefe Bücken. Solche Lösungen kosten nichts oder fast nichts und zeigen, dass nicht jedes Hilfsmittel im Sanitätshaus gekauft werden muss.

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